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Vermeintlicher Adel

Vorbemerkung

Seit etlichen Jahren erscheinen immer wieder mal Angebote, die ein Minigrundstück in Schottland offerieren, so wie Mond- und Marsgrundstücke, Sternennamen oder Namen von Hoch- und Tiefdruckgebieten, die zum Kauf angeboten werden. 

Als Gag, als Spaßgeschenke für Schottlandfreunde oder als Souvenir einer schönen Reise wäre dagegen nichts zu sagen, würden sich die hinter diesen Angeboten stehenden Organisationen und Einzelpersonen nicht höchst zweifelhafter Methoden im Rahmen ihres Marketings bedienen. Nach einem einheitlichen Schema versprechen die Händler: 

den Erwerb von Grundbesitz (i.d.R. von einem Quadratfuß)
den rechtmäßigen Erwerb eines an diesen Grundbesitz gebundenen Titels
(was nur die halbe Wahrheit ist)
mit der Gesamtaktion, den Umweltschutz in Schottland zu fördern.


Liest man die Offerten einschließlich des Kleingedruckten genau, werden die harten Fakten (Grunderwerb und Titel) wieder in Abrede gestellt und der auf den Titelseiten behauptete Umweltschutz totgeschwiegen. Alle Anbieter entpuppen sich keinesfalls als Händler, die ein Gut verkaufen, über das sie tatsächlich Verfügungsgewalt haben, sondern als reine Vertragsvermittler, die ihren Job korrekt erfüllt haben, wenn sie dass, was tatsächlich erworben wurde (ein bedrucktes Stück buntes Papier und eine Plastik-Ausweiskarte), ordnungsgemäß zugestellt haben. Im Zweifel haften sie nicht einmal dafür. 

Zum Grunderwerb

Behauptet wird im ersten Anlauf, dass der Kunde ein Miniaturgrundstück in Schottland erwerben würde. Im zweiten Schritt wird diese Aussage relativiert: Wegen angeblich zu hoher Verwaltungskosten für die Grundbucheintragung habe man auf den Einzeleintrag verzichtet, sondern nur den Gesamtgrundbesitz registrieren lassen. Diese Behauptung ist der blanke Unsinn: Es ist nicht die Gebührenhöhe, die eine Einzelregistrierung unsinnig machen würde, sondern die Rechtslage, nach der in Schottland Grundstücke der besagten Art und Größe gar nicht registrierungsfähig sind. 

Die einseitige Zusage des registrierten Grundstücksbesitzers über den Anspruch des Kunden auf eine bestimmte (in der sogenannten Besitzurkunde ausgewiesene) Parzelle ist rechtlich gegenstandslos, weil das fragliche Land weder entsprechend vermessen und parzelliert ist, noch das geltende Grundstücksrecht ein derartiges Verfahren vorsieht, die Urkunde selbst nicht den rechtlichen Mindestanforderungen an die Dokumentation eines Grundbesitzes genügt. 

Zum Titelerwerb

Behauptet wird, der Kunde erwirbt rechtmäßig den an das Grundstück gebundenen Titel eines Laird. Im Kleingedruckten wird dann festgestellt, dass der Titel Laird gar kein Titel ist, dass der Kunde aber berechtigt sei, als Grundstücksbesitzer diese Bezeichnung zu führen. 

Nur: Der Kunde erwirbt - wie oben ausgeführt - keinen Grundbesitz. Selbst wenn es so wäre, setzt die Besitzstandsbezeichnung Laird (so wie sich der Begriff seit dem 16. Jahrhundert entwickelt hat) immer noch einen Großgrundbesitz (estate) voraus, der zudem als weitere definitorische Bedingung ganz oder in Teilen durch Pächter oder Lohnarbeiter fremdbewirtschaftet wird - und sei es auch nur, dass die auf einem ansonsten brachliegenden Grundstück befindliche Bebauung vermietet wird. Die "Urkunde", die die Erwerber des "Laird of Camster, Glencairn oder John O'Groats" erhalten, schließt dagegen ausdrücklich aus, dass es jemals im Zusammenhang mit dem fraglichen Grundstück zu einem im Sinne des schottischen Boden- wie Steuerrechts nennenswerten Grundverkaufs gekommen ist. 

Ansonsten sind die Namen Schall und Rauch: Glenmore Estates und damit Lairds of Glenmore gibt es dagegen in Schottland gleich mehrere. Der bekannteste liegt im Queen's Forest einem Naturschutzgebiet und Teil des Glenmore Forest Parks rund um Glenmore Lodge. Zu dem zum verkauften "Laird of Glenmore" zugehörigen Grundbesitz auf der Orkney Insel Sanday, gibt es dagegen auf der ganzen Insel nicht einmal einen amtlichen Flur- oder Gemarkungsnamen. Fast noch schöner, gleichzeitig die unlauteren Absichten noch deutlicher dokumentierend, ist es im Falle "Glencairn": Hier macht man sich den erloschenen Adelstitel der Lords of Kilmaur and Earls of Glencairn dienstbar, "verlegt" den zugehörigen "estate" aber kurzerhand von Ayrshire nach Caithness - frei nach dem Motto "Wo kein Kläger sein kann, kann auch kein Richter sein!" Die Familie Cunningham, der Titel und estate gehörten, bildet zwar einen vom Lord Lyon anerkannten Clan (Clan Cunningham), dieser ist aber ein Clan ohne Chief, der allein eventuelle Rechte geltend machen könnte.

Unter Bezug auf den "Camster-Besitz" hat zudem der Lord Lyon, als dieser Handel erstmals aufkam, festgestellt: "You can't lawfully be the Laird of Camster unless you own the whole feu of Camster Burn, not just a small patch. However, people can call themselves anything they want unless they have an intention to defraud." 

Zum Umweltschutz

Durchgängig wird von den Betreibern behauptet, der Erlös der Aktion diene dem Umweltschutz in Schlottland. Durchgängig wird in diesem Zusammenhang "SAS - South Angus Survival" als unabhänigiger Kooperationspartner genannt. Recherchiert man dies einmal nach, erhält man einige überraschende Antworten: 

Von einem "unabhängigen Kooperationspartner" kann auch nur ansatzweise keine Rede sein.
Mr. Henderson, der als "estate manager" des SAS die "Erwerbsurkunden" des Käufers zeichnet, ist identisch mit Mr. Henderson, der ehemals unter den Flaggen von "SHS - Scottish Heritage Services" und "HHS - Highland Heritage Services", heute "SHT - Scottish Heritage Titles" vertreibt.
Angus County stellt fest, dass es keine in Angus registrierte oder auch nur ansatzweise
tätige Vereinigung dieses Namens gibt.
Die öffentliche Verwaltung wie auch die großen privaten Umwelt-
schutzorganisationen (SNH, RSPB u.a.) weisen jegliche Verbindung zwischen ihnen und dem SAS zurück.


Außer dem Fakt eines sehr beschränkten Grunderwerbs zeigte SAS weder eigene Aktivitäten in Sachen Umweltschutz, noch ist SAS Mitglied bei einem der registrierten Dachverbände, so dass man höchstens von einer "indirekten, institutionellen" Förderung des Umweltschutzes in Schottland sprechen könnte. 

Zur Profitrate

Ein acre zu rund 4084 Quadratmetern "weitestgehend naturbelassenes (non arable/rough grazing) Land ohne absehbares Baurecht" kostet für das Gebiet, in dem das Grundstück der "Lairds of Camster" ausgewiesen wird, nach Angaben örtlicher Sachverständiger (Makler und Verwaltung) maximal irgendetwas um rund 250,00 Euro. Auf 1 acre kommen 43.560 square feet gleich verkaufbare Plots. Die Anschaffungskosten pro Plot liegen also bei etwa 0,006 Euro (aufgerundet). Verkauft werden die "Laird-of-Camster-Plots" im Internet zu Preisen zwischen rund 50,00 Euro und 499,00 US$, das waren im Dezember 2003 rund 400,00 Euro
43.560 Plots zum mittleren Verkaufspreis von 225,00 Euro bringen also einen Verkaufserlös von 9.801.000,00 Euro

Das entspricht einem durchschnittlichen "Hektarertrag" von 24 Mio Euro - für den "Laird of Camster" plus der Erträge aus dem "Laird of Glencairn" plus der Erträge aus dem "Laird of John O'Groats" plus der Erträge aus dem "Laird of Glenmore". Glaubt man den im Netz sichtbaren "Urkunden und Ausweisen" sind über 310.000 Plots verkauft. Selbst zum niedrigsten Preis von rd. 50,00 Euro ergibt sich daraus ein geschätzes Umsatzvolumen von rund 15,5 Mio Euro

Den Einnahmen sind natürlich in erster Linie gegenzurechnen die Naturschutzinvestitionen für die 10 (nach anderen Quellen auch 12 oder 15) acres des sogenannten "lairds' retreat" und die 5 bis 7 acre Land, an die die "Titel" angeblich gebunden sind sowie die üblichen Betriebskosten für Dienstleistungsunternehmen dieser Art. Ziehen wir ganz großzügig gerechnete 10.000,00 GBP für den Grunderwerb und rund 20% allgemeine Verwaltungskosten ab, bleibt ein Rohertrag von immerhin rund 12.000.000,00 GBP, der am schottischen Umweltschutz vorbei auf direktem Wege in die Taschen des Mr. Henderson und seiner Affiliates gewandert ist. 

Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs, ein ganz kleiner Ausschnitt aus dem Markt und dem Tätigkeitsfeld der Branche. Eine grobe Ahnung vom Gesamtvolumen bekommt man erst unter Berücksichtigung etwa der Einnahmen aus dem Verkauf des "Lairds of Cranachan" (ab 2.300,00 US$ je Plot) und des "Lairds of Muness" (ab 8.300,00 US$ je Plot, hier 1 square yard), die nach vergleichbarem Muster allerdings fast ausnahmslos auf dem US-amerikanischen und kanadischen Markt vertrieben werden. Neben- und Folgegeschäfte wie der Verkauf von "Wappen", Stempeln, Visitenkarten, Krawatten und anderen Ausstattungsutensilien sind nicht einmal mitgerechnet. 

In der Branche wird nicht mit "Scherzartikeln" und "netten kleinen Souvenirs" gekleckert, es wird geklotzt. Unter dem Deckmantel der Förderung des Umweltschutzes wird ein ganz beachtliches Privatvermögen in den Händen von zwei, drei Individuen generiert. 

Fazit

Der Käufer erwirbt für seinen unterschiedlich hohen Einsatz - je nachdem von welchem "Affiliate" er bedient wird - nichts außer dem schon erwähnten Stück Papier und der Plastik-Ausweiskarte. Bestätigt wird ihm zudem das in Schottland allgemein geltende "right of way" allerdings zu einem "Grundstück", das weder als Gesamtgrundstück über die ausgewiesenen Koordinaten der 50.000er Ordnance Survey Map, geschweige denn als "nummeriertes Einzelplot" identifizierbar ist. Gefördert wird nicht der Naturschutz in Schottland, sondern ausschließlich das Einkommen und Wohlbefinden der Vertreiber. 

Dass daneben auch noch einzelne Vermarkter sich illegal das Bildmaterial zur Gestaltung ihrer Websites beschaffen und somit die Bildautoren um ihre Honorare prellen, nicht genehmigte Links auf seriöse Websites setzen und diese trotz Abmahnungen nicht löschen u. a. m., ist dann nur noch von nachrangiger Bedeutung. 

Ob man derartige Praktiken nun als kriminell, hart am Rande der Legalität, unlauter, irreführend oder sonstwie bewertet, bleibt jedem selbst überlassen. Da zudem der weit überwiegende Teil des Geschäftes via Internet abgewickelt wird, gibt es auch objektiv gesehen erhebliche Rechtsunsicherheiten (anders als in jenen Fällen, wo es z. B. in Deutschland im Rahmen von Veranstalterprospekten für den Vorgang bzw. das Produkt geworben wird). 

Immerhin sehen sich die britischen Behörden in Ländern mit einem starken Verbraucherschutz wie etwa die USA genötigt, massiv vor dem Abschluss derartiger Geschäfte zu warnen, um eventuellen Regressansprüchen vorzubeugen. 

Weiterführende Informationen: Die Warnung der Botschaft des Vereinigten Königreiches in den USA lautet in der Kurzfassung wie folgt: 
"The sale of British titles is prohibited by the Honours (Prevention of Abuses) Act, 1925. However, misleading advertisements for lordships of manors sometimes appear in the media and on the internet. A manorial lordship is not an aristocratic title, but a semi-extinct form of landed property. Lordship in this sense is a synonym for ownership. According to John Martin Robinson, Maltravers Herald Extraordinary and co-author of The Oxford Guide to Heraldry, "Lordship of this or that manor is no more a title than Landlord of the Dog and Duck." It cannot be stated on a passport, and does not entitle the owner to a coat of arms. Beware also of websites selling completely bogus British titles." 

Ausführliche Informationen in englischer Sprache finden sich auf der Seite: 
http://www.faketitles.com/html/warning.html  des Earl of Bradford. Auf dieser Seite finden sich auch Hinweise. wo und unter welchen Bedingungen man tatsächlich Grund und Boden in Schottland erwerben kann, der mit einem schottischen Titel verknüpft ist. Frei veräußerbar sind nämlich bestimmte Formen des "Baron", wenn der gesamte zugehörige Besitz (estate) erworben wird. Dabei handelt es sich dann aber um Transaktionen von mindestens 100.000,00 GBP, i.d.R. von 1 Mio GBP und deutlich mehr, wie zuletzt beim geplanten Verkauf eines entsprechenden Grundbesitzes auf der Insel Skye. 

Sehr ausführliche Informationen bietet zudem der Sonderartikel "Are you being conned" der 'The Baronage Press', der als PDF-Dokument abgerufen werden kann unter:
http://www.faketitles.com/conned.pdf

Der Adel – diese Welt übt nach wie vor eine große Faszination auf uns alle aus.

Wem der Adelstitel nicht in die Wiege gelegt wurde, wer aber über das erforderliche Bargeld verfügt, der kann auch (über das Internet) zum Baron, Grafen oder Prinzen aufsteigen. Die Branche hat sich gewandelt, und neue Anbieter sind am Markt.

Ein lukratives Geschäftsfeld der Titelhändler im Internet sind Adelsprädikate. Viele Menschen scheint die Welt der Ritter, Freiherren, Fürsten und Prinzen anzuziehen wie ein mächtiger Magnet. Eine gewisse gesellschaftliche und karrierefördernde Wirkung solcher Namenszusätze ist natürlich nicht gänzlich auszuschließen. Die Angebote beginnen in der Regel bei 1.000,00 Euro und enden bei mehreren hunderttausend Euro.

Neben Titelhändlern bietet Ihnen auch die adelige Society umfassende Möglichkeiten für den Erwerb rechtmäßiger Titel durch Adoption oder Heirat. Sie können eine angesehene Persönlichkeit mit Titel werden und besitzen dann ein Stück einmaliger Geschichte, welche oft bis ins Mittelalter zurückführt. Außerdem werden Sie ein legales Mitglied der angesehenen Aristokratie. Ihr Titel, Ihr Rang und Ihre Klasse sind legal und werden offiziell vollständig anerkannt. Weiterhin genießen Sie die Privilegien, die Vorteile, den Vorrang und das bevorzugte Ansehen, welches dem noblen Adel gewährt wird. Klingt alles sehr gut, nicht wahr? Aber sind die angebotenen Titel echt und ist es wirklich so einfach, in die Aristokratie aufzusteigen?

Deutsche Adelstitel

Für die Auseinandersetzung mit dem deutschen Adel empfiehlt sich einen Blick auf das Institut der Deutschen Adelsforschung unter http://home.foni.net/~adelsforschung. Dort finden sich über 500.000 Quellennachweise aus dem bibliographischen Zettelkasten betreffend Archivalien und Literatur zu Genealogien, Wappen, Stammtafeln, Sachakten, Herrensitzen und Biographien zur historischen Familienkunde des deutschen Niederadels, zu Freiherren- und Grafenfamilien vom Zeitraum 1200 bis zur Gegenwart aus dem deutschen Raum.

Man unterscheidet Uradel (Geschlechter vor 1350), Briefadel (in den Adelsstand erhobene Bürger), niederer Adel (Adelige ohne Titel), betitelter Adel (Freiherren, Grafen und Fürsten) und Hochadel (Häusern, die von uradligen, regierenden oder standesherrlichen Geschlechtern abstammen). Eine detaillierte Beschreibung dieser Kategorien finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Adel.

Britische Adelstitel

Der britische Adel ist in zwei Klassen eingeteilt, die Gentry, den niederen Adel, und die Nobility oder Peerage, den Hochadel. In Großbritannien war der Monarch traditionell der Einzige, der Adelstitel verleihen konnte, obgleich dies zumindest in den letzten beiden Jahrhunderten verstärkt auf Betreiben der jeweils aktuellen Regierung geschah. Ein Adelstitel bringt das Recht mit sich (außer bei Baron und Knight, dem Ritter), dass sein Träger künftig einen Sitz im Oberhaus beanspruchen und den Titel an seinen nächsten männlichen Erben weitergeben kann.

Zweimal jährlich, am Geburtstag der Queen und am Neujahrstag, werden anlässlich der Honours List (Ehrenliste) durch die Regierung Titel und andere Ehrungen verliehen. Das Vorgehen hierzu ist zwar nicht vollständig zu ergründen, doch werden die Auszeichnungen vor allem für bedeutende Leistungen unterschiedlichster Art vergeben, sei es im Bereich von Wirtschaft, Politik, öffentlichem Dienst oder Wohltätigkeit, für sozialen Einsatz oder besonderes Engagement im Beruf.

1958 führte die britische Regierung, damals konservativ, die erste radikale Reform des Systems durch, indem der Life Peerages Act, das Gesetz über die Adelswürde auf Lebenszeit, verabschiedet wurde. Obwohl es den Adelsstand auf Lebenszeit bereits seit Jahrhunderten gegeben hatte, vor allem für Frauen, wurden durch dieses Gesetz alle Privilegien erblichen Adels den Adligen auf Lebenszeit übertragen oder genauer, auf den Life Baron beziehungsweise die Baronin auf Lebenszeit. Dazu gehörte auch das Recht auf einen Sitz im Oberhaus, und die Kinder der Geadelten waren mit The Honourable anzureden.

1997 kam die Labour-Partei an die Macht, die sich in ihrem Manifest dazu verpflichtet hatte, das Recht des Erbadels auf einen Sitz im Oberhaus aufzuheben. 1999 wurde dies in die Tat umgesetzt, von 92 Ausnahmen abgesehen, die zunächst im Oberhaus verblieben, jedoch ohne eine Garantie auf die zeitliche Dauer ihres Sitzes, und weitere zehn Mitglieder, die auf Lebenszeit geadelt wurden aufgrund der Positionen, die sie zuvor im Oberhaus bekleidet hatten.

Der höchste erbliche Adelstitel ist der des Duke, des Herzogs, gefolgt vom Marquess (von Schotten gelegentlich in der französischen Schreibweise Marquis verwendet), dann erscheint der Earl (Graf), der Viscount und zuletzt der Baron. Die vier Letztgenannten werden sowohl im Gespräch als auch im Schriftverkehr üblicherweise als Lord angesprochen; anders jedoch beim Duke, der weit erhabener ist! Der am weitesten verbreitete Titel ist der des Knight. Wer den Ritterschlag empfängt, kann sich zeitlebens mit Sir anreden lassen. Die weibliche Form des Ritters ist die Dame.

Ein Rat für Unbedarfte

Sie werden sich einer verwirrenden Menge an britischen Adelstiteln gegenübersehen, die im Internet zum Kauf angeboten werden. Sie können beispielsweise den Titel eines Laird von Schottland erwerben, indem Sie für 67,00 Dollar, 30 Quadratzentimeter Grund und Boden kaufen.

Da auf einen Morgen Land von nicht ganz 4.000 Quadratmetern immerhin 43.560 solcher Fleckchen an Eigentum passen, ergibt sich daraus das gewaltige Einkommen von 2.918.520 Dollar pro Morgen,und vermutlich handelt es sich dabei um wenig wertvolle Flächen, die zuvor für 100,00 Dollar gekauft werden konnten – kein schlechtes Geschäft!

Weiterhin gibt es vorgebliche englische Feudaltitel, erbliche Rittertitel, es gibt pyramidale Strukturen, bei denen es um so genannte Feudale Adelstitel des Baron Marshalls, um nicht erbliche Titel, geht. Das Einzige, das man Sie zu tun veranlasst, ist, auf illegale Weise Ihren Namen zu ändern und ein Titel-Präfix zu verwenden, etwas, das nur der Landesfürst tragen kann.

Die Internetseiten, auf denen Titel verkauft werden, werben mit erstaunlichen Behauptungen: dass Sie in Restaurants künftig die besten Tische zugewiesen bekommen oder bei Flügen bevorzugt behandelt werden. Diese angenehmen Überraschungen sind mir persönlich niemals begegnet, und so erscheint es mir noch weit unwahrscheinlicher, dass Sie den Käufern solcher gefälschten Angebote begegnen werden. Die Internetanbieter vergessen jedoch zu erwähnen, wie Sie von Ihren Freunden verspottet werden, die hinter Ihrem Rücken darüber lästern, was für ein Trottel Sie doch sind, weil Sie offensichtlich etwas völlig Wert- und Bedeutungsloses gekauft haben!

Die Britische Botschaft in Washington ist so besorgt darüber, dass Amerikaner zum Kauf gefälschter Titel verführt werden könnten, dass sie sogar den folgenden Ratschlag für Unvorsichtige auf ihrer offiziellen Website veröffentlicht hat:

„Der Verkauf britischer Titel ist durch den Honours Act von 1925 zur Verhinderung von Missbrauch verboten. Dennoch erscheinen manchmal irreführende Angebote über Lehnsherrschaften – „lordships of manors“ – im Internet und in anderen Medien. Eine solche Lehnsherrschaft ist kein Adelstitel, sondern eine fast ausgestorbene Form des Grundbesitzes. In diesem Zusammenhang ist „Lordschaft“ jedoch nur gleichbedeutend mit „Landeigner“. Nach John Martin Robinson, Maltravers Herald Extraordinary und Mitautor des Oxford Guide to Heraldry [Oxford Ratgeber Wappenkunde], ist ‚Lordschaft zu diesem oder jenem Herrensitz’ jedoch nicht mehr ein Adelstitel als ‚Wirt zur grünen Ente’. Er taucht in keinem Pass auf und berechtigt den Träger nicht zum Führen eines Wappens. Hüten Sie sich auch vor Websites, die komplett erfundene britische Adelstitel verkaufen!“

Der Laird-Titel

Titelhändler versprechen die Gelegenheit, ein Laird des schottischen Hochlands zu werden. Das Einzige, was Sie tun müssen, sei, 30 Quadratzentimeter Land in Schottland zu kaufen, dann sind Sie ein Laird. Eine völlig lächerliche Vorstellung, wäre doch nach diesen Kriterien ein Großteil der schottischen Bevölkerung als Lairds zu betrachten. Genau wie in England wird dieser Begriff auch für Gutsherren und Landeigner verwendet, meist für solche, die beträchtlichen Grundbesitz und entsprechende Bedeutung in ihrer Region haben. Ihn als Adelstitel zu bezeichnen ist gänzlich falsch.

So wie die Titelhändler es darstellen, bietet Ihnen ihr einzigartiges Angebot einen legalen Titel über 30 Quadratzentimeter Land bei Glenmore, John O’Groats oder Glencairn, und jedes Stückchen Land gibt seinem Eigentümer das gesetzliche Recht, den Titel Laird zu tragen.

Die Händler behaupten, dass derzeit folgende Adelstitel erhältlich seien: Laird of Glenmore, Laird of John O’Groats und Laird of Glencairn. Folglich verkaufen sie diese immer und immer wieder, so dass sie wenig exklusiv sind, denn es gibt Unzählige, die ihn tragen.

Aus meiner Sicht sind diejenigen, die kleine Landstücke kaufen, um sie aufzuteilen, nichts anderes als Betrüger. Der Hof des Lord Lyon, der sich mit Wappenkunde und Heraldik befasst, sagt, dass der Titel Glencairn – ebenso wie die vielen anderen, die angeboten werden – absolut ohne Bedeutung sei.

Nach und nach wird auch die internationale Presse auf das Thema aufmerksam, und es sind bereits einige Artikel über den Handel mit gefälschten Adelstiteln erschienen. In Deutschland beschränkt sich die Berichterstattung bisher jedoch auf gefälschte Doktortitel. Das größte Problem dabei ist, dass zwar sensationelle Storys begehrt sind, jedoch später nicht weiter recherchiert wird, was wiederum den Zweck des geweckten öffentlichen Interesses vereitelt.

Immerhin dient jeder einzelne Artikel den Lesern noch als Warnung, dass etwas, das zu gut oder zu billig scheint, um wahr zu sein, wohl auch nicht echt ist. Ich will es deutlich ausdrücken: Sie können einen echten britischen Adelstitel nicht kaufen, von einer Ausnahme abgesehen: dem Titel des schottischen Barons, und ganz gewiss können Sie keinen Titel des Hochadels kaufen. Schottische Baronstitel werden hoch gehandelt, die Baronie MacDonald wurde für über eine Million britische Pfund verkauft.

Trotzdem ignorieren viele Leute diese deutlichen Warnungen. Traurige Tatsache ist, dass sie noch immer auf solche Webseiten hereinfallen, die diese Titel verkaufen, welche das eindrucksvoll aussehende Papier nicht wert sind, auf dem sie bescheinigt werden. Leider hören viel zu viele Menschen auf das geschickte Verkaufsgerede. Ganz offen gesagt: Es erstaunt mich, dass nur wenige überhaupt fragen, was sie da unterschreiben, vor allem, dass sie keine Rechtsberatung in Anspruch nehmen, sondern die Worte möglicher Betrüger für bare Münze nehmen. All das führt dazu, dass niemand weiß, was einen echten Adelstitel ausmacht, und der Empfänger zahlt viel Geld für etwas absolut Wertloses.

Adelig durch Adoption

Zsa Zsa Gabors Ehemann, der adoptierte Adelige Prinz Frederic von Westfalen, Anhalt und Sachsen, ist wohl der bekannteste unter den adoptierten Adeligen. Im früheren Leben war er unter dem Namen Robert Lichtenberg bekannt. Er ließ sich von der verarmten Fürstin von Sachsen-Anhalt (damals war diese bereits über 80-jährig) adoptieren. Und - Schwupps - war er (früher Türsteher und Sohn eines Polizisten) fortan Prinz von Anhalt, Herzog von Sachsen und Graf von Asconia. Tja, so geht es auch.

Prinzipiell gilt: Wer sich gegen Geld adoptieren lässt, erwirbt den Namen, aber nie den Adel. Er kann sich dann zwar namensrechtlich legitim so oder so nennen, wird aber nur selten gesellschaftliche Anerkennung erreichen, da die “schwarzen Schafe” schnell bekannt werden. Der Zugang zu Adelsvereinigungen wird diesen Personen prinzipiell verweigert. Je bekannter der Titel, desto unangenehmer, wenn die wahre Herkunft bekannt wird. Kritisch ist auch, wenn das Erscheinungsbild, Wortschatz, Bildung und Manieren nicht so richtig zum Namen passen.

Ergebnis:

Um beruflich oder gesellschaftlich Erfolg zu haben, ist der Erwerb eines Adelsnamens sicherlich nicht das Richtige. Ernst nimmt Sie damit keiner, vielleicht beeindruckt es anfangs, aber wenn dann einer Fragen stellt…

Es reicht nicht, nicht zu sagen zu haben - man muss auch unfähig sein, das auszudrücken.

Es gibt Menschen, die sind der beste Beweis dafür, dass der Komplettausfall des Gehirns nicht zwangsläufig zum Tode führt.